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gebrauchtes Gährungssaccharometer um 1900, ovp

gebrauchtes Gährungssaccharometer um 1900, ovp

Artikelnummer: K6f11.06
        Kategorie:         Historische Laborartikel, Deko         Historische Laborartikel, Deko    
  • Baujahr vermutlich vor 1902 ("Procent")
  • zur Bestimmung v. Zucker im Urin 
15,00 €
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  • Baujahr vermutlich vor 1902 ("Procent")
  • zur Bestimmung v. Zucker im Urin 
Stk.
Beschreibung

tolles altes Gährungssaccharometer
Hersteller/Typ: Gährungssacharometer nach Dr. Einhorn
Zustand: alter Artikel in gutem Zustand, leider inkomplett, dennoch sehr dekorativ
Lieferumfang: wie abgebildet
Weiteres:

Das Messgerät besteht aus Kalk-Natron-Glas.
Das vertikale, oben geschlossene Steigrohr besitzt ein Volumen von 5 ml.
Die Skalierung auf dem Steigrohr zeigt eine eingebrannte Graduierung von 1 bis 5 ml in 0,1 ml Schritten sowie eine parallel angeordnete Prozent-Skala für den Zuckergehalt von 1/4 Prozent bis 1 Prozent.

Das Gärungssaccharometer nach Dr. Einhorn ist ein historisch gewachsenes, gläsernes Analyseinstrument zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von vergärbaren Zuckern in Flüssigkeiten.
Es besteht aus einem u-förmig gebogenen Glasrohr, das auf der einen Seite in einem vertikalen, kalibrierten und oben hermetisch geschlossenen Steigrohr endet, während die andere Seite in ein erweitertes, offenes und birnenförmiges oder kugeliges Reservoir übergeht.
Die gesamte Konstruktion ruht standsicher auf einem fest verschmolzenen, kreisrunden Glasfuß.
Das primäre Anwendungsfeld liegt in der medizinischen Labordiagnostik und historischen Harnanalyse zur Feststellung und Überwachung von Diabetes Mellitus durch den qualitativen Nachweis von Glukose im Urin.
Ein weiteres typisches Anwendungsfeld ist der Bildungsbereich, wo das Instrument im Chemieunterricht, Biologieunterricht und bei Praktika an Schulen oder Universitäten zur Demonstration der alkoholischen Gärung und zur Messung von Gasentwicklungen genutzt wird.
Zudem findet es vereinzelt Anwendung in der historischen Betriebskontrolle von Brauereien, Kellereien und handwerklichen Fermentationsbetrieben zur schnellen Abschätzung von Restzuckergehalten in flüssigen Medien.

Vorteile:

  • Das Gerät funktioniert rein mechanisch-biochemisch und benötigt für den Betrieb weder elektrische Energie, Batterien noch komplexe elektronische Bauteile.
  • Die Ablesung erfolgt ohne zwischengeschaltete Kalibrierung direkt an der eingebrannten, säurefesten und gut sichtbaren Skala auf dem Steigrohr.
  • Durch die Fertigung aus robustem Laborglas ist der Apparat unempfindlich gegenüber den meisten Chemikalien, leicht zu sterilisieren und bei sachgemäßer Handhabung extrem langlebig.
  • Das Prinzip liefert einen unmissverständlichen visuellen Nachweis, da aufsteigende Gasblasen die Reaktion sofort sichtbar machen.

Nachteile:

  • Das Instrument ist durch die Konstruktion aus dünnwandigem Glas sehr zerbrechlich und empfindlich gegen Stöße oder Stürze.
  • Die Messgenauigkeit ist im Vergleich zu modernen photometrischen Verfahren, Blutzuckermessgeräten oder enzymatischen Teststreifen relativ gering und liefert nur Richtwerte.
  • Der Analyseprozess erfordert eine lange Wartezeit von typischerweise 15 bis 24 Stunden bei konstanter Raumtemperatur, um eine vollständige Vergärung zu gewährleisten.
  • Die Reinigung des u-förmig gebogenen Rohres und insbesondere des oben geschlossenen Steigrohrs ist aufwendig und erfordert spezielle, biegsame Reinigungsbürsten.

Das physikalische Funktionsprinzip des Instruments basiert auf der volumetrischen Messung von Kohlenstoffdioxid, das während der alkoholischen Gärung entsteht.
Hierbei wird eine definierte Menge der zuckerhaltigen Testflüssigkeit mit einer kleinen Menge frischer Hefe im separaten Mischzylinder gründlich geschüttelt und anschließend in das Saccharometer gegossen.
Durch geschicktes Kippen des Glasapparates wird das vertikale Steigrohr blasenfrei bis zum oberen Ende mit der Mischung befüllt, während überschüssige Flüssigkeit im offenen, kugeligen Reservoir verbleibt.
Befindet sich vergärbarer Zucker in der Probe, spalten die Enzyme der Hefezellen die Glukose in Ethanol und gasförmiges Kohlenstoffdioxid auf.
Die aufsteigenden Gasblasen sammeln sich am oberen, geschlossenen Ende des Steigrohrs und verdrängen die Flüssigkeitssäule nach unten in das offene Reservoir.
Anhand des verdrängten Volumens kann auf der empirisch ermittelten Skala der ursprüngliche Zuckergehalt direkt abgelesen werden.
Aus geschichtlicher Sicht wurde dieses spezifische Gärungssaccharometer im Jahr 1885 von dem deutsch-amerikanischen Gastroenterologen Dr. Max Einhorn in New York entwickelt und Ende 1887 in der Berliner Medizinischen Wochenschrift der Fachwelt vorgestellt.
Es revolutionierte die damalige ärztliche Praxis, da es im Gegensatz zu älteren Gärproben erstmals eine hinreichend genaue quantitative Abschätzung des Harnzuckers direkt am Krankenbett oder in der Landpraxis erlaubte, lange bevor moderne Teststreifen erfunden wurden.

Zeitliche Einordnung:

1. Das Jahr der Erfindung (Terminus post quem)

  • Unter der Überschrift der Gebrauchsanweisung ist der Verweis auf die medizinische Fachzeitschrift gedruckt: „...Berliner Medicin. Wochenschrift 1887, Nr. 51, S. 950“. Der New Yorker Arzt Dr. Max Einhorn stellte sein Gärungssaccharometer Ende 1887 vor. Das Gerät kann unmöglich vor diesem Datum produziert worden sein.

2. Die Schreibweise „Procent“ mit „c“

  • Die Schreibweise mit „c“ ist ein hervorragender Indikator für das Alter:
  • Im Jahr 1880 wurde mit dem ersten „Duden“ (dem Vollständigen Orthographischen Wörterbuch) im Deutschen Reich eine einheitliche Rechtschreibung angestrebt, die „c“ bei vielen eingedeutschten Begriffen durch „z“ oder „k“ ersetzte.
  • Behörden und Schulen stellten in den Folgejahren schrittweise um. In der Praxis und im wissenschaftlichen Buchdruck hielt sich das traditionelle „Procent“ jedoch hartnäckig bis zur Zweiten Orthographischen Konferenz von 1901.
  • Ab 1902 wurde die Schreibweise „Prozent“ mit „z“ im gesamten deutschsprachigen Raum im amtlichen und geschäftlichen Schriftverkehr verbindlich verankert.

3. Die Schreibweise „Medicin.“ in der Fußnote

  • Gleiches gilt für das Wort „Medicin. Wochenschrift“ im Text. Nach den alten Rechtschreibregeln der Jahrhundertwende wurde auch hier das „c“ final durch das „z“ verdrängt (Medizin).
  • Fazit: Da die Anleitung und die Skala des Messglases die alte Schreibweise nutzen, aber sich bereits auf die Veröffentlichung von Ende 1887 beziehen, stammt das vorliegende Set mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus den späten 1880er oder den 1890er Jahren – also der späten Kaiserzeit.

4. Schachtel passt stilistisch und handwerklich perfekt in den geschätzten Zeitraum zwischen 1887 und ca. 1902.

Es handelt sich um die originale Transport- und Aufbewahrungsbox für genau das Gärungssaccharometer nach Dr. Einhorn, das in Ihrer Anleitung beschrieben ist.

  • Die Abbildung auf dem Deckel Auf dem aufgeklebten Etikett auf der Oberseite sind exakt die zwei Glasteile des Sets abgebildet, die auch in der Anleitung gezeichnet sind:
  • Links: Das eigentliche Gärungsröhrchen mit dem u-förmig gebogenen, kugeligen Fuß und dem vertikalen, graduierten Messrohr.
  • Rechts: Das separate, einfache Reagenzglas (im Text der Anleitung als „Reagirtube“ bezeichnet), das zum Abmessen des Harns und zum Mischen mit der Hefe diente.

2. Die handwerkliche Fertigung (Historismus / Jahrhundertwende)

  • Das Material: Die Schachtel besteht aus dicker, stabiler Pappe, die mit einem typischen, dunkelbraunen bis weinroten Überzugspapier kaschiert ist. Diese Steck- oder Stülpschachteln waren um 1900 die Standardverpackung für hochwertige medizinische Glasinstrumente.
  • Das Etikett: Das Etikett zeigt das typische Druckbild des späten 19. Jahrhunderts. Die feine, doppelte Rahmenlinie (Filete) um die Instrumentenzeichnungen ist charakteristisch für die späte Kaiserzeit (Historismus).
  • Der Zustand: Die leichte, gleichmäßige Nachdunklung des Papiers und die minimale Patina an den Kanten (ohne moderne Klebespuren oder Kunststoffe) passen exakt zu einem Alter von rund 130 Jahren.
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